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Das Von-Willebrand-Syndrom
Das Von-Willebrand-Syndrom ist mit einer Häufigkeit von etwa 1% die häufigste angeborene Blutstillungsstörung, die Männer und Frauen gleichermaßen betrifft. Diese Erkrankung wird durch einen Mangel oder eine Funktionsstörung des Von-Willebrand-Faktors (VWF) verursacht, der in der frühen Phase der Blutstillung die Anheftung der Thrombozyten an die verletzte Stelle des Blutgefäßes (Kollagen, durch die Verletzung freigelegt) vermittelt und anschließend das weitere Wachstum von Thromben (Gerinnsel, Blutpfropf) unterstützt (primäre Hämostase). Der Von-Willebrand-Faktor stabilisiert aber auch den Faktor VIII (FVIII) im Blut, so dass ein vollständiger Mangel an VWF, wie er bei der schweren Form des von-Willebrand-Syndroms vorkommt, zusätzlich einen Mangel an FVIII bedingt.
Der Von-Willebrand-Faktor besteht aus einem Gemisch von Polymeren, sogenannte Multimere, die einen unterschiedlichen Polymerisationsgrad aufweisen, wobei die größten Multimere auch die höchste Aktivität zeigen.
Geschichte der Von-Willebrand-Erkrankung!
Symptome
Das Von-Willebrand-Syndrom führt zu einer erhöhten Blutungsneigung, wobei Schleimhautblutungen im Vordergrund stehen. Am häufigsten sind Nasenbluten und oberflächliche Hämatome (blaue Flecken) sowie eine verlängerte und verstärkte Menstruationsblutung bei der Frau.
Auch schwere, unstillbare Blutungen nach einer Geburt können auftreten und sind auch heute immer noch ein Grund für eine Gebärmutterentfernung, wenn ein ursächliches VW-Syndrom nicht diagnostiziert worden ist.
Blutungen im Magen-Darm-Trakt und im Nierensystem können ebenfalls vorkommen. Ein von-Willebrand-Syndrom wird meist durch Blutungskomplikationen nach einer Mandelentfernung oder Zahnextraktion erstmals auffällig. Muskelblutungen oder Gelenkblutungen wie bei der Hämophilie sind selten. Nur bei der schweren Form (Typ 3, siehe weiter unten), von der in Deutschland etwa 250 Patienten betroffen sind, kommt es wegen des begleitenden Mangels an Faktor VIII auch zu den Hämophilie-typischen Symptomen.
Klassifizierung
Das Von-Willebrand-Syndrom besteht aus mehreren Erscheinungsformen, die sich entweder durch einen Mangel oder einen Funktionsdefekt des VWF auszeichnen und die dementsprechend in die folgenden Typen unterteilt werden:
Typ 1: teilweiser Mangel des VWF
Typ 2: unterschiedliche Funktionsdefekte des VWF
Typ 2A: Bindungsfähigkeit an Thrombozyten (Blutplättchen) und Kollagen vermindert, da die großen Multimere fehlen. Störung der Thrombozytenfunktion.
Typ 2B: erhöhte Affinität (Bindungsfähigkeit) zu Thrombozyten, damit vorzeitiger Abbau der großen Multimere
Typ 2M: normale Multimerstruktur, aber Bindungsfähigkeit an Thrombozyten oder Kollagen vermindert, damit Störung der Thrombozytenfuktion.
Typ 2N: verminderte Bindung an FVIII, damit auch FVIII reduziert.
Typ 3: vollständiger Mangel des VWF, damit auch FVIII reduziert.
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Diagnostik
Zur Diagnostik des Von-Willebrand-Syndroms werden die folgenden Parameter bestimmt:
Die Blutungszeit (meist nach der Methode von Ivy) ist bei gestörter Plättchenfunktion und beim Von-Willebrand-Syndrom verlängert und verschafft einen ersten Eindruck von der Funktionstüchtigkeit der primären Hämostase.
Die Menge an VWF ohne Berücksichtigung der Aktivität wird durch das von-Willebrand-Faktor-Antigen (VWF:AG) gegeben.
Die Ristocetincofaktor-Aktivität (VWF:RCo) repräsentiert die Aktivität des VWF (ausgedrückt in % bezogen auf den Durchschnitt eines Normalkollektivs). Trotz einigen Mängeln der zur Zeit etablierte Test zur Aktivitätsbestimmung.
Die Kollagenbindungs-Aktivität (VWF:CB) erfasst die Bindung an Kollagen und damit im Gegensatz zur VWF:RCo eher die biologische Aktivität des VWF. Der Test ist jedoch noch nicht standardisiert und etabliert.
Die Multimerenanalyse durch Gelelektrophorese trennt die Multimeren entsprechend ihrer Größe auf und lässt die jeweilige Häufigkeit erkennen.
Die Faktor-VIII-Bindungskapazität gibt die Faktor-VIII-Menge an, die der zu untersuchende VWF binden kann. Hiermit kann der Typ 2N von einer Hämophilie unterschieden werden.
Mit der Ristocetin-induzierten Plättchenaggregation (RIPA) wird eine erhöhte Bindungsfähigkeit des VWF an Plättchen erfasst. Damit kann der Typ 2B identifiziert werden.
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Therapie
Patienten die nicht entsprechend auf DDAVP reagieren müssen bei Blutungen und vor operativen Eingriffen mit Blutungsgefahr mit einem FVIII/VWF-Konzentrat behandelt werden. Das betrifft Patienten mit Typ 3, die meisten Patienten mit Typ 2 und Patienten mit einer schweren Ausprägung des Typ 1. Dosis und Dauer der Therapie richten sich hierbei nach der klinischen Situation (siehe hierzu: "Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten“ Bundesärztekammer 2002, 2. Auflage).
Typ 1: DDAVP, Tranexamsäure, (FVIII/VWF-Konzentrat)
Typ 2: FVIII/VWF-Konzentrat, Tranexamsäure, (DDAVP)
Typ 3: FVIII/VWF-Konzentrat, Tranexamsäure
Typ 3: DDAVP unwirksam
Typ 2B: Vorsicht bei DDAVP!
Typ 2N: DDAVP in schweren Fällen unwirksam
Generell gilt: Wirkung von DDAVP in einem der Therapie vorausgehenden Test nachweisen! Kinder unter 4 Jahren nicht für die Therapie mit DDAVP geeignet!
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Quelle: www.haemophilieportal.de
